Videos unter Linux schneiden und umwandeln: Kdenlive, Shotcut, ffmpeg & Co.
Die wichtigsten freien Werkzeuge für Schnitt, Umwandlung und Aufnahme unter Linux, von Kdenlive bis ffmpeg, und wie Sie analoge Quellen über Video4Linux einbinden.
Linux hat bei Video einen weiten Weg hinter sich. Um das Jahr 2000 brauchte es selbst geschriebene Treiber und Kommandozeilenwerkzeuge, um überhaupt ein Bild von einer Capture-Karte aufzunehmen. Heute gibt es ausgereifte, freie Schnittprogramme, und mit ffmpeg steht ein Werkzeug bereit, das auf allen Plattformen zum Standard geworden ist. Dieser Überblick stellt die wichtigsten Programme vor und zeigt, welches sich wofür eignet.
Schnittprogramme im Überblick
| Programm | Stärken | Geeignet für | Lizenz |
|---|---|---|---|
| Kdenlive | viele Spuren, Effekte, Proxy-Schnitt, aktive Entwicklung | Familienvideos bis anspruchsvolle Projekte | frei, quelloffen |
| Shotcut | schlank, viele Formate, auch für Windows und Mac | Einsteiger und Fortgeschrittene | frei, quelloffen |
| OpenShot | sehr einfache Bedienung | kurze Projekte, Einsteiger | frei, quelloffen |
| Blender (Video-Editor) | Teil eines großen 3D-Pakets | wer Blender ohnehin nutzt | frei, quelloffen |
| DaVinci Resolve | professioneller Schnitt und Farbkorrektur | ambitionierte Projekte, starke Hardware | proprietär, Gratis- und Bezahlversion |
Kdenlive stammt aus dem KDE-Umfeld und läuft auf jedem Linux-Desktop, außerdem unter Windows und macOS. Es bietet mehrere Video- und Tonspuren, Übergänge, Titel und einen Proxy-Modus, der auch auf schwächeren Rechnern flüssiges Arbeiten erlaubt. Shotcut basiert wie Kdenlive auf dem freien Multimedia-Framework MLT, setzt aber auf ein anderes Bedienkonzept mit frei anordnenbaren Fenstern. OpenShot richtet sich an Einsteiger, die schnell ein paar Clips aneinanderreihen wollen.
Einen direkten Vergleich der drei freien Programme liefert der Artikel zu Shotcut, Kdenlive und OpenShot in diesem Bereich, die ersten Schritte in Kdenlive erklärt ein eigenes Tutorial.
Umwandeln und Bearbeiten ohne Oberfläche
ffmpeg ist das Schweizer Taschenmesser für Video. Es liest und schreibt nahezu jedes Format, schneidet, skaliert, entfernt Zeilensprung und brennt Untertitel ein. Viele grafische Programme nutzen ffmpeg im Hintergrund. Drei typische Aufgaben:
Ein Video in MP4 mit H.264 umwandeln:
ffmpeg -i urlaub.mkv -c:v libx264 -crf 20 -c:a aac -b:a 160k urlaub.mp4
Einen Ausschnitt ohne neue Kompression herauslösen (schnell, schneidet aber nur an Schlüsselbildern genau):
ffmpeg -ss 00:01:30 -to 00:04:00 -i urlaub.mp4 -c copy ausschnitt.mp4
Den Container wechseln, ohne die Qualität anzutasten:
ffmpeg -i aufnahme.mkv -c copy aufnahme.mp4
Weitere nützliche Werkzeuge:
- HandBrake: Umwandeln mit grafischer Oberfläche und fertigen Voreinstellungen.
- LosslessCut: Clips verlustfrei kürzen und zusammenfügen.
- Avidemux: einfache Schnitte und Filter, bewährt für alte Formate.
- MKVToolNix: MKV-Dateien zusammenstellen, Spuren hinzufügen oder entfernen.
Aufnehmen unter Linux
Grabber, Webcams und Capture-Karten erscheinen unter Linux über die Schnittstelle Video4Linux2 (V4L2) als Geräte wie /dev/video0. Welche Geräte vorhanden sind, zeigt das Paket v4l-utils:
v4l2-ctl --list-devices
Für die Aufnahme ist OBS Studio die bequemste Lösung. Dort legen Sie eine Quelle vom Typ Videoaufnahmegerät (V4L2) an und wählen den Grabber. Wer die Kommandozeile bevorzugt, kann direkt mit ffmpeg aufnehmen. Der folgende Befehl nimmt Bild und Ton eines Grabbers auf, die Gerätenamen müssen Sie an Ihr System anpassen:
ffmpeg -f v4l2 -i /dev/video0 -f alsa -i default -c:v libx264 -crf 18 -preset veryfast -c:a aac aufnahme.mkv
Worauf es bei der Hardware ankommt, beschreibt der Ratgeber Videograbber und Capture-Karten.
Typische Arbeitsabläufe
Digitalisierte Kassette aufbereiten. Die Rohaufnahme aus OBS Studio landet als MKV-Datei auf der Festplatte. Mit LosslessCut entfernen Sie Leerlauf am Anfang und Ende ohne neue Kompression. Anschließend erzeugt ffmpeg oder HandBrake mit Deinterlacing eine handliche MP4-Datei für den Fernseher, während die Rohaufnahme als Archivfassung erhalten bleibt.
Urlaubsfilm schneiden. Smartphone- und Kameraclips kommen in Kdenlive oder Shotcut in ein gemeinsames Projekt. Legen Sie Auflösung und Bildrate nach dem Hauptmaterial fest, aktivieren Sie bei großen Dateien den Proxy-Modus und exportieren Sie am Ende über eine der mitgelieferten Voreinstellungen für H.264.
Viele Dateien auf einmal umwandeln. Für Stapelverarbeitung ist eine kleine Shell-Schleife mit ffmpeg unschlagbar: Sie wandelt alle Dateien eines Ordners mit denselben Einstellungen um, ohne dass jemand danebensitzen muss. HandBrake bietet mit seiner Warteschlange eine grafische Alternative.
Von lavtools zu den MJPEG Tools
Wer sich für die Geschichte interessiert: Ende der 1990er-Jahre nahmen Capture-Karten unter Linux Video meist als Motion-JPEG auf. Für die Aufnahme, Wiedergabe und Bearbeitung solcher Dateien entstanden kleine Kommandozeilenprogramme, die lavtools. Sie wurden zum Grundstock des Projekts MJPEG Tools, das Werkzeuge zum Aufnehmen, Bearbeiten und Kodieren in MPEG-1 und MPEG-2 bündelte. Damit ließen sich unter Linux erstmals Video-CDs und DVDs ohne Umweg über andere Systeme erstellen. Unter munich-vision.de lagen damals englischsprachige Projektseiten zu diesen Werkzeugen und zu einem Treiber für Capture-Karten. Mehr zur Geschichte der Video-CD steht im Ratgeber Video-CD, SVCD und DVD.
Installation und Hardware-Beschleunigung
Die meisten Programme stehen in den Paketquellen gängiger Distributionen bereit. Aktuelle Versionen bekommen Sie oft als Flatpak über Flathub oder als AppImage. Für flüssigen Schnitt hochauflösender Videos lohnt sich Hardware-Beschleunigung über die Grafikkarte. Unter Linux läuft sie je nach Hersteller über VA-API, NVDEC/NVENC oder Vulkan, die Unterstützung hängt von Treiber und Programm ab.
Welche Programme es für Windows und macOS gibt und wo die kostenpflichtigen Alternativen stehen, zeigt der Vergleich der Videoschnittprogramme. Die Grundlagen zu Codecs und Containern erklärt der Ratgeber Videoformate und Codecs.
Alle Artikel zu Videos unter Linux
- ffmpeg-Befehle
Das Schweizer Taschenmesser für Video auf der Kommandozeile: Installation, Grundprinzip und 18 Befehle, die Sie wirklich brauchen.
- Kdenlive Tutorial
Vom leeren Projekt zum fertigen Video: die Oberfläche, die wichtigsten Werkzeuge, Proxy-Clips für schwache Rechner und der Export.
- Freie Schnittprogramme
Drei kostenlose, quelloffene Schnittprogramme für Linux, Windows und Mac: Wo sie sich unterscheiden und welches zu wem passt.
Fragen und Antworten
- Welches Schnittprogramm ist unter Linux am besten für Einsteiger?
- Shotcut und Kdenlive sind beide einsteigertauglich. Kdenlive bietet mehr Funktionen für längere Projekte, Shotcut gilt als etwas schlanker. OpenShot ist besonders einfach, stößt bei größeren Projekten aber eher an Grenzen.
- Gibt es DaVinci Resolve für Linux?
- Ja, DaVinci Resolve wird auch für Linux angeboten, als kostenlose Version und als kostenpflichtige Studio-Version. Die Installation ist aufwendiger als bei den freien Programmen, und die kostenlose Linux-Version unterstützt nicht jeden Codec. Prüfen Sie die Systemanforderungen des Herstellers.
- Wie installiere ich Videoprogramme am einfachsten?
- Viele Distributionen führen Kdenlive, Shotcut, OpenShot, OBS Studio und ffmpeg in ihren Paketquellen. Aktuellere Versionen gibt es oft als Flatpak über Flathub oder als AppImage direkt von den Projektseiten.
- Erkennt Linux meinen USB-Videograbber?
- Grabber nach dem USB-Videoklasse-Standard (UVC) werden in der Regel ohne Zusatztreiber als Gerät unter /dev/video erkannt. Mit dem Befehl v4l2-ctl --list-devices sehen Sie, welche Geräte das System gefunden hat.
Weiterlesen
- Schnittprogramme
Von Clipchamp und iMovie über Shotcut und Kdenlive bis DaVinci Resolve, Premiere Pro und Final Cut Pro: welches Programm zu welchem Projekt passt.
- Formate und Codecs
Warum MP4 nur die Verpackung ist, welcher Codec wofür taugt und wie Bitrate, Auflösung und Bildrate zusammenhängen.
- Capture-Hardware
USB-Grabber, HDMI-Capture, Rekorder mit Time Base Corrector und das passende Kabel: was für analoge Videos wirklich zählt.
Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Munich Vision. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.