Videos unter Linux

Kdenlive Tutorial: Erste Schritte im Linux-Videoschnitt

Vom leeren Projekt zum fertigen Video: die Oberfläche, die wichtigsten Werkzeuge, Proxy-Clips für schwache Rechner und der Export.

Kdenlive ist eines der bekanntesten freien Schnittprogramme und unter Linux für viele die erste Wahl. Es bietet mehrere Spuren, Effekte, Titel, Farbkorrektur und Untertitel und läuft auch unter Windows und macOS. Dieser Ratgeber führt durch die ersten Schritte, vom Anlegen eines Projekts bis zum fertigen Video. Wie sich Kdenlive gegen Shotcut und OpenShot schlägt, zeigt der Vergleich Shotcut, Kdenlive und OpenShot.

Die Oberfläche

Beim ersten Start sieht Kdenlive voll aus, folgt aber einem klaren Aufbau:

Bereich Aufgabe
Projektablage alle importierten Clips, Bilder und Töne
Clip-Monitor Vorschau eines einzelnen Clips, Ein- und Ausstiegspunkte setzen
Projekt-Monitor Vorschau des geschnittenen Projekts
Zeitleiste Video- und Tonspuren, hier wird geschnitten
Effekte, Kompositionen Filter, Übergänge und Überblendungen

Über das Menü Ansicht lassen sich Bereiche ein- und ausblenden. Oben rechts gibt es vorbereitete Arbeitsbereiche wie Schnitt, Audio und Farbe.

Schritt 1: Projekt anlegen

  1. Neues Projekt: Über Datei, Neu ein Projekt anlegen.
  2. Profil wählen: Das Profil legt Auflösung und Bildrate fest. Es sollte zum Hauptmaterial passen, etwa 1920 × 1080 bei 25 Bildern pro Sekunde für Kameraaufnahmen in Europa oder 720 × 576 bei 25 für digitalisierte VHS-Kassetten. Kdenlive schlägt beim ersten Clip oft automatisch das passende Profil vor.
  3. Proxy-Clips: Im Reiter Proxy die Option „Proxy-Clips aktivieren“ einschalten, wenn Ihr Rechner nicht sehr leistungsstark ist.
  4. Speichern: Das Projekt gleich unter einem sprechenden Namen speichern. Kdenlive legt Projektdateien mit der Endung .kdenlive an.

Schritt 2: Clips importieren

Ziehen Sie Videos, Fotos und Musik per Drag and Drop in die Projektablage oder nutzen Sie Projekt, „Clip oder Ordner hinzufügen“. Kdenlive verweist auf die Dateien, kopiert sie aber nicht. Verschieben Sie die Originale deshalb nicht, solange das Projekt in Arbeit ist.

Schritt 3: Schneiden

Ziehen Sie einen Clip aus der Projektablage in die Zeitleiste. Die wichtigsten Werkzeuge:

  • Auswahl (S): Clips verschieben und an den Rändern kürzen.
  • Rasierklinge (X): Clip an der Mausposition teilen.
  • Umschalt+R: Clip an der Position des Abspielkopfs teilen.
  • Entf: markierten Clip löschen.
  • Lücke schließen: Rechtsklick auf eine Lücke, „Leerraum entfernen“.

Für präzises Arbeiten setzen Sie im Clip-Monitor mit I den Anfang und mit O das Ende eines Ausschnitts und ziehen nur diesen Teil in die Zeitleiste.

Schritt 4: Übergänge, Titel und Effekte

Übergänge: Schieben Sie zwei Clips auf derselben Spur leicht übereinander oder legen Sie sie auf zwei Spuren mit Überlappung. Im Bereich Kompositionen finden Sie Überblendungen wie Dissolve oder Wipe, die Sie in die Überlappung ziehen.

Titel: Über Projekt, „Titel-Clip hinzufügen“ öffnet sich ein Editor für Texte. Der fertige Titel erscheint in der Projektablage und wird wie ein Clip in eine Spur über dem Video gezogen.

Effekte: Im Bereich Effekte gibt es Farbkorrektur, Schärfe, Stabilisierung, Geschwindigkeit und vieles mehr. Ziehen Sie einen Effekt auf einen Clip und passen Sie ihn im Effekt-Stapel an. Für digitalisierte Kassetten sind Helligkeit, Kontrast und eine leichte Rauschminderung oft hilfreich. Mehr dazu im Ratgeber Alte Videos restaurieren.

Ton: Die Lautstärke lässt sich direkt am Clip über die Linie in der Tonspur oder mit dem Effekt Lautstärke anpassen. Musik legen Sie auf eine eigene Tonspur.

Schritt 5: Proxy-Clips verstehen

Proxy-Clips sind kleine Arbeitskopien Ihrer Videos. Kdenlive erzeugt sie im Hintergrund und nutzt sie für die Vorschau. Beim Export greift das Programm wieder auf die Originale zurück. So bleibt der Schnitt auch mit 4K- oder H.265-Material flüssig. Ob ein Clip einen Proxy hat, zeigt ein kleines Symbol in der Projektablage. Per Rechtsklick lässt sich der Proxy für einzelne Clips ein- oder ausschalten.

Schritt 6: Rendern

  1. Render-Dialog öffnen: Projekt, Rendern oder Strg+Eingabe.
  2. Format wählen: Für die meisten Zwecke die Voreinstellung MP4 mit H.264 und AAC.
  3. Qualität: Über den Qualitätsregler oder die erweiterten Einstellungen festlegen. Höhere Qualität bedeutet größere Dateien.
  4. Bereich: Ganzes Projekt oder nur eine markierte Zone exportieren.
  5. Datei rendern: Zielordner und Namen festlegen, dann starten. Der Fortschritt erscheint im Reiter Renderaufträge.

Für Uploads auf Plattformen gelten eigene Empfehlungen, siehe YouTube-Exporteinstellungen.

Typische Anfängerfehler

  • Falsches Projektprofil: Videos wirken gestreckt oder ruckeln. Das Profil nachträglich unter Projekt, Projekteinstellungen anpassen.
  • Originaldateien verschoben: Kdenlive meldet fehlende Clips. Über den Dialog den neuen Speicherort angeben.
  • Keine Sicherung: Kdenlive hat eine automatische Sicherung, trotzdem regelmäßig mit Strg+S speichern.
  • Interlaced-Material: Bei digitalisierten Kassetten das Deinterlacing in den Clip-Eigenschaften prüfen.

Wie es weitergeht

Wer die Grundlagen beherrscht, kann sich an Keyframes für Bewegung, Mehrkamera-Schnitt und die Farbkorrektur wagen. Die Projektseite kdenlive.org bietet ein ausführliches Handbuch. Einen Überblick über weitere Programme, auch für Windows und Mac, gibt der Ratgeber Videoschnittprogramme im Vergleich.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ist Kdenlive wirklich kostenlos?
Ja. Kdenlive ist freie Software unter der GPL und gehört zum KDE-Projekt. Es gibt keine kostenpflichtige Version und keine Wasserzeichen.
Wie installiere ich Kdenlive unter Linux?
Über die Paketverwaltung der Distribution, als Flatpak über Flathub oder als AppImage von der Projektseite kdenlive.org. Flatpak und AppImage bringen meist die aktuellste Version mit.
Warum ruckelt die Vorschau?
Hochauflösendes Material oder Codecs wie H.265 sind rechenintensiv. Aktivieren Sie Proxy-Clips in den Projekteinstellungen und senken Sie bei Bedarf die Vorschauauflösung im Projektmonitor.
Kann Kdenlive Untertitel?
Ja. Kdenlive hat eine eigene Untertitelspur, kann SRT-Dateien importieren und exportieren und bietet je nach Version eine automatische Spracherkennung über zusätzliche Module.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Munich Vision. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.