Videos digitalisieren

VHS-Kassetten digitalisieren: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Die ausführliche Klickanleitung: OBS Studio und VirtualDub2 einrichten, Kassette aufnehmen, Rohdatei prüfen und als MP4 sichern.

Der Überblick VHS digitalisieren erklärt die möglichen Wege, die passenden Geräte und die typischen Fehler. Diese Anleitung geht einen Schritt weiter: Sie zeigt Klick für Klick, wie Sie eine Kassette mit einem USB-Grabber und kostenloser Software am Computer aufnehmen, die Rohdatei prüfen und am Ende eine handliche MP4-Datei erhalten. Beschrieben werden OBS Studio für alle Betriebssysteme und VirtualDub2 für Windows.

Vorbereitung: Geräte und Kabel

Sie brauchen einen funktionierenden VHS-Rekorder, einen USB-Videograbber und ein passendes Kabel. Hat der Rekorder einen S-Video-Ausgang, nutzen Sie ihn: Helligkeit und Farbe laufen dort getrennt, das Bild wird etwas sauberer als über das gelbe Cinch-Kabel. Bei Scart brauchen Sie einen Adapter, der auf Ausgang geschaltet ist. Welche Merkmale ein Grabber haben sollte, beschreibt der Ratgeber Videograbber kaufen.

Spulen Sie jede Kassette vor der Aufnahme einmal ganz vor und zurück. Das verteilt die Bandspannung gleichmäßig und senkt das Risiko von Bandsalat. Testen Sie den Rekorder zuerst mit einer unwichtigen Kassette.

Für den Computer gilt: Nehmen Sie auf eine interne SSD oder Festplatte auf, nicht auf einen langsamen USB-Stick. Schließen Sie während der Aufnahme andere Programme, damit keine Bilder verloren gehen.

Variante A: OBS Studio einrichten

OBS Studio ist kostenlos, quelloffen und für Windows, macOS und Linux verfügbar. Ursprünglich für Streaming gedacht, eignet es sich gut zum Aufnehmen analoger Quellen.

  1. Videoeinstellungen: Unter Einstellungen, Video die Basis-Auflösung (Leinwand) und die Ausgabe-Auflösung auf 720 × 576 stellen, die Bildrate auf 25.
  2. Quelle anlegen: Im Bereich Quellen auf Plus klicken, „Videoaufnahmegerät“ wählen und den Grabber auswählen. Unter Linux heißt die Quelle „Video Capture Device (V4L2)“.
  3. Quelle konfigurieren: In den Eigenschaften die Auflösung auf benutzerdefiniert 720 × 576 und die Bildrate auf 25 setzen. Als Videonorm PAL wählen, falls die Option angeboten wird.
  4. Ton zuordnen: Den Audioeingang des Grabbers als Tonquelle einstellen. Im Audiomixer muss bei laufender Kassette ein Pegel ausschlagen.
  5. Bild einpassen: Rechtsklick auf die Quelle, Transformieren, „An Bildschirm anpassen“. So füllt das Bild die Leinwand ohne Verzerrung.
  6. Aufnahmeformat: Unter Einstellungen, Ausgabe den Modus „Erweitert“ wählen, als Aufnahmeformat MKV, als Encoder x264 oder einen Hardware-Encoder und eine hohe Qualitätsstufe, etwa CRF 16 bis 18.
  7. Testaufnahme: Zwei Minuten aufnehmen und danach in VLC prüfen.

MKV hat bei der Aufnahme einen großen Vorteil: Stürzt der Computer ab oder fällt der Strom aus, bleibt die bis dahin geschriebene Datei lesbar. Eine abgebrochene MP4-Datei ist dagegen oft unbrauchbar. OBS kann MKV-Dateien später über Datei, „Aufnahmen remuxen“ ohne Qualitätsverlust in MP4 umpacken.

Variante B: VirtualDub2 unter Windows

VirtualDub2 ist eine Weiterentwicklung des klassischen VirtualDub und bei vielen Archivaren beliebt, weil es die Aufnahme sehr genau protokolliert.

  1. Aufnahmemodus öffnen: Datei, „Capture video“ wählen und unter Device den Grabber auswählen.
  2. Videoformat: Unter Video, „Capture filter“ die Norm PAL_B einstellen und unter „Set custom format“ 720 × 576 wählen.
  3. Kompression: Unter Video, Compression einen verlustfreien Codec wie FFV1 oder HuffYUV oder einen hochwertigen Codec wählen. Verlustfreie Formate brauchen viel Platz, erhalten aber jedes Detail.
  4. Ton: Unter Audio den Eingang des Grabbers und 48 kHz, 16 Bit, Stereo einstellen.
  5. Zieldatei: Unter File, „Set capture file“ einen Speicherort auf der internen Platte wählen.
  6. Aufnahme starten: Mit F6 die Aufnahme beginnen, dann am Rekorder auf Wiedergabe drücken. Mit Esc beenden.

Während der Aufnahme zeigt VirtualDub2 die Zahl der verworfenen („dropped“) und eingefügten („inserted“) Frames. Einzelne Werte am Bandanfang sind normal. Steigen sie laufend, ist das Signal instabil oder der Computer überlastet.

Die Rohaufnahme prüfen

Spielen Sie die Testaufnahme vollständig ab und achten Sie auf vier Punkte:

Prüfpunkt Gutes Ergebnis Wenn nicht
Synchronität Lippen und Ton passen auch nach Minuten verworfene Frames prüfen, andere Programme schließen
Seitenverhältnis runde Gesichter, keine Streckung 4:3 beim Umwandeln setzen
Tonpegel deutlich, ohne Übersteuern Pegel in Software oder Grabber anpassen
Bildstabilität kein Zittern oder Durchlaufen Spurlage am Rekorder, ggf. Gerät mit TBC

Kammartige Linien bei Bewegungen sind kein Fehler der Aufnahme. Sie entstehen durch den Zeilensprung des Fernsehsignals und werden erst im nächsten Schritt entfernt.

Nachbearbeiten und umwandeln

Schneiden Sie zuerst den Leerlauf am Anfang und Ende weg. Das geht ohne Neukodierung, etwa in LosslessCut oder mit ffmpeg. Danach wandeln Sie die Rohdatei in eine MP4-Datei um. Der folgende Befehl entfernt den Zeilensprung mit bwdif, setzt das Seitenverhältnis auf 4:3 und kodiert mit H.264:

ffmpeg -i kassette-roh.mkv -vf "bwdif=mode=send_field,setdar=4/3" -c:v libx264 -crf 18 -preset slow -c:a aac -b:a 192k kassette-01.mp4

Mit mode=send_field entstehen 50 Bilder pro Sekunde, die Bewegungen wirken dann so flüssig wie am Röhrenfernseher. Lassen Sie den Parameter weg, entstehen 25 Bilder pro Sekunde und eine kleinere Datei. Die Unterschiede der Verfahren erklärt der Ratgeber Deinterlacing.

Merke: Bewahren Sie die Rohaufnahme auf, zumindest bis die MP4-Datei geprüft und gesichert ist. Eine erneute Aufnahme vom Band ist aufwendig, und jedes Abspielen belastet alte Kassetten.

Benennen und sichern

Benennen Sie jede Datei nach einem festen Muster, zum Beispiel 1994-07_Urlaub-Gardasee_Kassette-03.mp4. Notieren Sie, was auf der Hülle stand, und legen Sie die Notizen zur Datei. Speichern Sie die fertigen Dateien auf mindestens zwei getrennten Datenträgern. Wie das dauerhaft funktioniert, zeigt der Ratgeber Familienvideos archivieren mit der 3-2-1-Regel.

Häufige Stolpersteine

  • Schwarzes Bild in OBS: Der Grabber wird von einem anderen Programm benutzt, oder die Auflösung passt nicht. Programm schließen, Quelle neu anlegen.
  • Bild in Schwarz-Weiß: Die Videonorm steht auf NTSC statt PAL, oder ein S-Video-Signal läuft über den Cinch-Eingang.
  • Ton verzerrt: Der Pegel ist zu hoch. Im Audiomixer herunterregeln, bis die Spitzen im gelben Bereich bleiben.
  • Bild flackert hell und dunkel: Bei gekauften Kassetten ist das meist ein Kopierschutz. Diese Anleitung bezieht sich auf eigene Aufnahmen.

Haben Sie noch Kassetten anderer Formate, etwa von einem Camcorder, helfen die Ratgeber zu Hi8 und Video8 und MiniDV weiter.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ist OBS Studio oder VirtualDub2 besser für VHS?
Beide eignen sich. OBS Studio läuft unter Windows, macOS und Linux und ist leicht einzurichten. VirtualDub2 gibt es nur für Windows, es zeigt aber verworfene und eingefügte Frames sehr genau an und erlaubt die Aufnahme in verlustfreien Formaten.
Soll ich schon bei der Aufnahme deinterlacen?
Besser nicht. Nehmen Sie das Halbbildsignal unverändert auf und entfernen Sie den Zeilensprung erst beim Umwandeln. So bleibt die Rohdatei erhalten, und Sie können später ein besseres Verfahren wählen.
Wie viel Speicherplatz braucht eine Stunde VHS?
Das hängt vom Aufnahmeformat ab. Mit H.264 in hoher Qualität sind es grob einige Gigabyte pro Stunde, verlustfreie Formate wie FFV1 oder HuffYUV brauchen ein Vielfaches davon. Planen Sie für die Rohaufnahmen großzügig Platz ein.
Warum hat meine Aufnahme keinen Ton?
Viele Grabber melden den Ton als eigenes Audiogerät an. In OBS Studio muss dieses Gerät in den Eigenschaften der Quelle oder als zusätzliche Audioquelle ausgewählt sein. Prüfen Sie außerdem, ob am Rekorder die Tonkabel im richtigen Ausgang stecken.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Munich Vision. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.