Video-CD und DVD

VCD in MP4 umwandeln: So geht es mit kostenlosen Tools

Aus der AVSEQ01.DAT eine moderne MP4-Datei machen: drei kostenlose Wege, die passenden Einstellungen und was bei defekten Discs hilft.

Die Video-CD speichert ihr Video als MPEG-1, ein Format, das heute zwar noch abgespielt wird, auf modernen Geräten aber nicht mehr selbstverständlich ist. Eine MP4-Datei mit H.264 läuft dagegen auf Smartphones, Fernsehern und in jedem Browser. Dieser Ratgeber zeigt drei kostenlose Wege, eine VCD umzuwandeln. Wie Sie die Disc zuerst abspielen und was die DAT-Dateien bedeuten, steht im Ratgeber Video-CD abspielen.

Vorbereitung: Daten von der Disc holen

Kopieren Sie zuerst die Dateien aus dem Ordner MPEGAV auf die Festplatte. Bei einer SVCD liegen die Videodaten im Ordner MPEG2. Das Umwandeln von der Festplatte ist schneller und robuster als direkt von der Disc.

Meldet das Betriebssystem beim Kopieren Fehler, liegt das oft am besonderen Aufzeichnungsmodus der VCD. Versuchen Sie es mit einem anderen Laufwerk oder lesen Sie die Datei direkt mit ffmpeg oder VLC von der Disc.

Weg 1: ffmpeg

ffmpeg ist ein kostenloses Kommandozeilenwerkzeug für Windows, macOS und Linux. Es ist der zuverlässigste Weg und eignet sich auch für viele Discs nacheinander.

ffmpeg -i AVSEQ01.DAT -c:v libx264 -crf 20 -preset slow -c:a aac -b:a 160k film.mp4

Die Optionen im Einzelnen:

Option Bedeutung
-c:v libx264 Video mit H.264 kodieren
-crf 20 Qualitätsstufe, kleinere Zahl = bessere Qualität und größere Datei
-preset slow gründlichere Kodierung, etwas kleinere Datei
-c:a aac -b:a 160k Ton in AAC mit 160 kbit/s

Besteht die VCD aus mehreren Titeln, wandeln Sie jede DAT-Datei einzeln um oder hängen sie aneinander:

ffmpeg -i "concat:AVSEQ01.DAT|AVSEQ02.DAT" -c:v libx264 -crf 20 -c:a aac -b:a 160k film-komplett.mp4

Ohne Qualitätsverlust geht es, wenn Sie das MPEG-1-Video nur umpacken. Das Ergebnis ist größer, aber eine exakte Kopie des Inhalts:

ffmpeg -i AVSEQ01.DAT -c copy film.mkv

Weitere Befehle erklärt der Ratgeber ffmpeg für Einsteiger.

Weg 2: HandBrake

HandBrake ist ein kostenloses Programm mit grafischer Oberfläche für Windows, macOS und Linux.

  1. Datei öffnen: HandBrake starten und die kopierte DAT-Datei per Drag and Drop in das Fenster ziehen. Wird sie nicht erkannt, die Endung vorher in .mpg ändern.
  2. Voreinstellung wählen: Unter Voreinstellungen zum Beispiel „Fast 576p25“ oder „HQ 576p25 Surround“. Die Auflösung der VCD wird übernommen, nicht hochgerechnet.
  3. Format: Unter Zusammenfassung MP4 als Format wählen.
  4. Qualität prüfen: Im Reiter Video steht die Konstante Qualität. Werte um 20 sind ein guter Ausgangspunkt.
  5. Ziel festlegen: Speicherort und Dateinamen wählen, dann auf Kodierung starten klicken.

Weg 3: VLC

VLC kann Dateien nicht nur abspielen, sondern auch umwandeln. Die Bedienung ist etwas versteckt: Unter Medien, „Konvertieren/Speichern“ fügen Sie die DAT-Datei hinzu, klicken auf Konvertieren und wählen das Profil „Video - H.264 + MP3 (MP4)“. Danach geben Sie eine Zieldatei an und starten. VLC bietet weniger Einstellungen als HandBrake, reicht für einzelne Dateien aber aus.

Die passenden Einstellungen

MPEG-1-Video einer VCD hat eine niedrige Auflösung und eine feste Datenrate. Daraus ergeben sich einige Empfehlungen:

  • Auflösung beibehalten. Hochskalieren macht die Datei größer, aber nicht schärfer. Das erledigt der Player beim Abspielen.
  • Hohe Qualitätsstufe. Die Datei bleibt trotzdem klein, weil wenige Bildpunkte zu kodieren sind.
  • Seitenverhältnis prüfen. Die VCD speichert 352 × 288 Bildpunkte für ein Bild im Format 4:3. ffmpeg übernimmt die Angabe in der Regel. Wirkt das Bild verzerrt, setzen Sie -vf setdar=4/3.
  • Kein Deinterlacing nötig. VCDs liegen meist als Vollbilder vor. Ausnahmen gibt es bei Aufnahmen vom Fernsehen.

Mehr über Codecs und Container steht im Ratgeber Videoformate und Codecs.

Viele Discs auf einmal

Unter Linux und macOS wandelt eine kurze Schleife alle DAT-Dateien eines Ordners um:

for f in *.DAT; do ffmpeg -i "$f" -c:v libx264 -crf 20 -c:a aac -b:a 160k "${f%.DAT}.mp4"; done

Benennen Sie die Dateien danach sinnvoll, etwa mit Titel und Jahr, und notieren Sie, von welcher Disc sie stammen.

Rechtlicher Rahmen

Selbst erstellte Video-CDs mit eigenen Aufnahmen dürfen Sie beliebig umwandeln. Bei gekauften VCDs ist eine Kopie für den privaten Gebrauch in Deutschland unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Eine Weitergabe oder Veröffentlichung fremder Inhalte ist es nicht. Dieser Ratgeber ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Den Überblick zum Thema bietet der Ratgeber Video-CD, SVCD und DVD.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Verliere ich beim Umwandeln Qualität?
Ein wenig, weil das Video neu kodiert wird. Mit einer hohen Qualitätsstufe wie CRF 18 bis 20 ist der Unterschied praktisch nicht sichtbar. Wer gar nichts verlieren möchte, packt den MPEG-1-Strom ohne Neukodierung in einen MKV-Container.
Kann ich die DAT-Datei einfach in MPG umbenennen?
Oft funktioniert das, weil die Datei MPEG-1-Video enthält. Einige Programme stolpern aber über die Sektorstruktur der VCD. Zuverlässiger ist das Umwandeln oder Umpacken mit ffmpeg.
Warum ist das Ergebnis so klein?
Die Video-CD hat nur 352 × 288 Bildpunkte, etwa ein Viertel der DVD-Auflösung. Moderne Player skalieren das Bild auf den Bildschirm. Echte Details kommen dadurch nicht hinzu.
Darf ich gekaufte VCDs umwandeln?
Video-CDs haben in der Regel keinen Kopierschutz. Eine Privatkopie für den eigenen Gebrauch ist nach dem Urheberrecht unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Weitergeben oder veröffentlichen dürfen Sie fremde Filme nicht.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Munich Vision. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.