MPEG-1, MPEG-2 und MPEG-4: Die Unterschiede einfach erklärt
Drei Standards, drei Epochen: Video-CD, DVD und Fernsehen, MP4-Dateien. Was sie unterscheidet und was das für Ihre alten Videos bedeutet.
MPEG begegnet einem überall: auf alten Video-CDs, in DVD-Menüs, in Dateinamen wie .mpg und .mp4. Hinter dem Kürzel steht die Moving Picture Experts Group, eine Arbeitsgruppe der internationalen Normungsorganisationen ISO und IEC. Sie hat seit Ende der 1980er-Jahre mehrere Normenfamilien für Video und Ton erarbeitet. Dieser Ratgeber erklärt die drei wichtigsten und was sie für Ihre Videos bedeuten. Die Grundbegriffe Container und Codec erklärt der Ratgeber Videoformate und Codecs.
Die drei Standards im Überblick
| Merkmal | MPEG-1 | MPEG-2 | MPEG-4 (Teil 10, H.264/AVC) |
|---|---|---|---|
| Veröffentlichung | Anfang der 1990er-Jahre | Mitte der 1990er-Jahre | 2003 |
| Typische Auflösung | 352 × 288 (PAL) | bis 720 × 576 (PAL), auch HD | von klein bis 4K und mehr |
| Typischer Einsatz | Video-CD, frühe Internetvideos | DVD, Digitalfernsehen (DVB) | MP4-Dateien, Streaming, Blu-ray, Smartphones |
| Zeilensprung | nein | ja | ja |
| Dateiendungen | .mpg, .dat | .mpg, .vob, .ts, .m2v | .mp4, .m4v, .mkv, .mov |
MPEG-1: der Anfang
MPEG-1 war darauf ausgelegt, Video und Ton mit einer Datenrate von etwa 1,5 Megabit pro Sekunde zu speichern. Das ist ungefähr die Lesegeschwindigkeit eines einfachen CD-Laufwerks. Damit war es möglich, einen Spielfilm in VHS-ähnlicher Qualität auf eine normale CD zu bringen: die Video-CD.
MPEG-1 kennt nur Vollbilder, keinen Zeilensprung. Für das Fernsehen war es deshalb nur bedingt geeignet. Der bekannteste Teil von MPEG-1 ist ohnehin nicht das Video, sondern der Ton: MPEG-1 Audio Layer III, kurz MP3, wurde zum Standard für Musik auf Computern und tragbaren Playern.
MPEG-2: DVD und Fernsehen
MPEG-2 erweiterte MPEG-1 um höhere Auflösungen, höhere Datenraten und die Unterstützung des Zeilensprungverfahrens. Damit eignete es sich für das Fernsehen. MPEG-2 wurde zur Grundlage der DVD-Video und lange Zeit des digitalen Fernsehens über Satellit, Kabel und Antenne.
Auf einer DVD liegt MPEG-2-Video mit bis zu 720 × 576 Bildpunkten in PAL. Die maximale Video-Datenrate liegt bei etwas unter 10 Megabit pro Sekunde. MPEG-2 ist robust und schnell zu dekodieren, braucht für gute Qualität aber deutlich mehr Datenrate als neuere Verfahren.
MPEG-4: eine ganze Familie
MPEG-4 ist keine einzelne Technik, sondern eine Sammlung von Normteilen. Für Video sind zwei Teile wichtig:
- MPEG-4 Teil 2: ein Videocodec aus den späten 1990er-Jahren, bekannt durch DivX und Xvid. Er war um das Jahr 2000 beliebt, um Filme auf eine CD zu bringen.
- MPEG-4 Teil 10: der Codec H.264, auch Advanced Video Coding (AVC). Er wurde gemeinsam mit der ITU entwickelt und 2003 verabschiedet. Bei gleicher Qualität braucht er deutlich weniger Datenrate als MPEG-2.
Dazu kommt MPEG-4 Teil 14, der MP4-Container. Er legt fest, wie Video, Ton, Untertitel und Metadaten in einer Datei zusammengefasst werden. Eine MP4-Datei kann verschiedene Codecs enthalten, am häufigsten H.264 oder H.265 mit AAC-Ton.
Wie es danach weiterging
Nach H.264 folgte 2013 H.265, auch High Efficiency Video Coding (HEVC), formal Teil der Normenfamilie MPEG-H. Parallel entstanden lizenzfreie Codecs wie VP9 und AV1. Wann sich welcher Codec eignet, beschreibt der Ratgeber H.264, H.265 und AV1 im Vergleich.
Was das für Ihre alten Videos bedeutet
- MPEG-1 von Video-CDs: spielt VLC problemlos ab. Für Smartphones und Fernseher lohnt die Umwandlung in MP4 mit H.264.
- MPEG-2 von DVDs und Rekordern: läuft auf vielen Geräten, ist aber groß. Für den Alltag in H.264 umwandeln, das Original bei Bedarf behalten.
- MPEG-4 Teil 2 (DivX, Xvid): meist in AVI-Dateien. Moderne Player können es oft, Fernseher nicht immer. Eine Umwandlung erhöht die Kompatibilität.
- H.264 in MP4: das universelle Format von heute. Keine Umwandlung nötig.
Wichtig beim Umwandeln: Jede neue verlustbehaftete Kodierung kostet ein wenig Qualität. Kodieren Sie deshalb immer vom besten verfügbaren Original und nicht von einer bereits umgewandelten Kopie. Wenn Sie eine Datei nur in einen anderen Container packen möchten, geht das ohne Neukodierung, etwa mit ffmpeg -i film.mpg -c copy film.mkv.
Kurz zusammengefasst
MPEG-1 steht für die Video-CD und MP3, MPEG-2 für DVD und das klassische Digitalfernsehen, MPEG-4 für die MP4-Datei mit H.264, die heute praktisch überall läuft. Wer alte Discs oder Aufnahmen in die Gegenwart holen will, landet daher fast immer bei MP4 mit H.264.
Fragen und Antworten
- Ist MP4 dasselbe wie MPEG-4?
- Nicht ganz. MP4 ist ein Containerformat, das in einem Teil der MPEG-4-Norm festgelegt ist. Eine MP4-Datei enthält meist Video in H.264 oder H.265 und Ton in AAC. MPEG-4 als Ganzes umfasst viele weitere Teile.
- Was hat MP3 mit MPEG zu tun?
- MP3 ist die Kurzform von MPEG-1 Audio Layer III. Das Audioformat wurde zusammen mit MPEG-1 genormt und unter anderem am Fraunhofer-Institut in Erlangen entwickelt.
- Warum gibt es kein MPEG-3?
- Ein MPEG-3-Standard war für hochauflösendes Fernsehen geplant. Die Anforderungen ließen sich aber mit MPEG-2 erfüllen, deshalb wurde das Vorhaben eingestellt. Mit MP3 hat das nichts zu tun.
- Soll ich MPEG-2-Dateien in H.264 umwandeln?
- Für die Weitergabe und das Abspielen auf Smartphones ja, weil H.264 bei gleicher Qualität deutlich kleinere Dateien erzeugt. Für das Archiv können Sie die MPEG-2-Datei zusätzlich unverändert behalten.
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Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Munich Vision. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.