Formate und Codecs

H.264 vs. H.265 vs. AV1: Welcher Codec für welchen Zweck?

Kompatibilität gegen Dateigröße: welcher Codec auf welchem Gerät läuft, wie viel Platz er spart und welchen Sie für welchen Zweck wählen sollten.

Ein Videocodec bestimmt, wie Bilddaten verdichtet werden. Er entscheidet über die Dateigröße, die Bildqualität und darüber, auf welchen Geräten ein Video abspielbar ist. Die drei Codecs, um die es heute meistens geht, sind H.264, H.265 und AV1. Dieser Ratgeber vergleicht sie und gibt Empfehlungen für typische Zwecke. Was Container und Codec unterscheidet, erklärt der Ratgeber Videoformate und Codecs.

Die drei Codecs im Vergleich

Merkmal H.264 (AVC) H.265 (HEVC) AV1
Verabschiedet 2003 2013 2018
Herausgeber ITU-T und ISO/IEC ITU-T und ISO/IEC Alliance for Open Media
Effizienz Referenz deutlich besser als H.264 meist noch etwas besser als H.265
Kompatibilität nahezu universell gut auf neueren Geräten wachsend, vor allem neuere Geräte
Lizenzen Patentpool, für Endnutzer meist unsichtbar mehrere Patentpools lizenzfrei angelegt
Kodiertempo schnell langsamer in Software deutlich langsamer

H.264: der kleinste gemeinsame Nenner

H.264 ist seit fast zwei Jahrzehnten der Standard für Videos im Netz, auf Blu-ray, in Kameras und auf Smartphones. Nahezu jedes Gerät hat einen Hardware-Decoder dafür. Ein MP4 mit H.264 und AAC-Ton läuft auf alten Laptops, Smart-TVs, Tablets und in jedem Browser.

Die Kehrseite: Bei gleicher Qualität erzeugt H.264 größere Dateien als die Nachfolger. Für Videos in Standardauflösung, etwa digitalisierte Kassetten, ist das kaum ein Problem. Bei 4K wird der Unterschied deutlich.

H.265: kleiner, aber anspruchsvoller

H.265, auch HEVC genannt, wurde für hohe Auflösungen entwickelt. Bei vergleichbarer Qualität sind die Dateien deutlich kleiner als mit H.264, häufig genannt wird eine Ersparnis von bis zu etwa der Hälfte. Viele Smartphones nehmen standardmäßig in H.265 auf.

Zwei Dinge bremsen H.265: Ältere Geräte haben keinen Decoder, und die Patentlage ist kompliziert. Mehrere Lizenzpools verlangen Gebühren von Herstellern. Deshalb unterstützen manche Browser H.265 nur, wenn das Betriebssystem oder die Hardware den Decoder mitbringt.

AV1: offen und effizient

AV1 wurde von der Alliance for Open Media entwickelt, einem Zusammenschluss großer Technologie- und Medienunternehmen. Ziel war ein leistungsfähiger Codec ohne Lizenzgebühren. AV1 ist häufig noch etwas effizienter als H.265 und wird von großen Streamingplattformen eingesetzt.

Aktuelle Grafikkarten, Prozessoren und Smartphones bringen zunehmend Hardware-Decoder und teils auch Encoder für AV1 mit. Auf älteren Geräten muss die Software dekodieren, was bei hohen Auflösungen ruckeln kann. Das Kodieren ohne Hardware-Unterstützung ist deutlich langsamer als bei H.264.

Empfehlungen nach Zweck

Zweck Empfehlung Begründung
Weitergabe an Familie, USB-Stick, Fernseher H.264 in MP4 läuft überall
Platz sparen auf eigenen Geräten H.265 in MP4 oder MKV kleinere Dateien, moderne Geräte
Upload zu YouTube und Co. H.264 in hoher Qualität Plattform kodiert ohnehin neu
Webvideos auf eigener Seite AV1 mit H.264 als Ausweichfassung effizient, breite Abdeckung
Langzeitarchiv FFV1 in MKV oder H.264 in sehr hoher Qualität verlustfrei oder gut kompatibel

Für den Upload auf Plattformen gilt: Die Plattform wandelt jedes Video um. Liefern Sie deshalb möglichst gute Qualität an, nicht möglichst kleine Dateien. Details stehen im Ratgeber YouTube-Exporteinstellungen.

Umwandeln mit ffmpeg

Die folgenden Befehle erzeugen jeweils eine Datei in guter Qualität. Die Werte für -crf sind nicht zwischen den Codecs vergleichbar, die Standardwerte der Encoder liegen unterschiedlich.

# H.264
ffmpeg -i eingabe.mkv -c:v libx264 -crf 20 -preset slow -c:a aac -b:a 192k ausgabe-h264.mp4

# H.265, mit Kennung für Apple-Geräte
ffmpeg -i eingabe.mkv -c:v libx265 -crf 24 -preset slow -tag:v hvc1 -c:a aac -b:a 192k ausgabe-h265.mp4

# AV1 mit dem SVT-AV1-Encoder
ffmpeg -i eingabe.mkv -c:v libsvtav1 -crf 32 -preset 6 -c:a libopus -b:a 128k ausgabe-av1.mkv

Welche Encoder verfügbar sind, hängt davon ab, wie Ihr ffmpeg gebaut wurde. ffmpeg -encoders zeigt die Liste. Hardware-Encoder der Grafikkarte sind deutlich schneller, liefern bei gleicher Dateigröße aber oft etwas schlechtere Qualität als die Software-Encoder.

Bitrate und Qualität

Der Codec allein entscheidet nicht über die Qualität. Mindestens genauso wichtig ist die Datenrate oder die Qualitätsstufe. Ein gut eingestelltes H.264 kann besser aussehen als ein knapp kodiertes H.265. Wie Sie die passende Einstellung finden, erklärt der Ratgeber Bitrate beim Video.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Spart H.265 wirklich die Hälfte?
Häufig genannt wird eine Ersparnis von bis zu etwa der Hälfte bei vergleichbarer Qualität. In der Praxis hängt sie stark vom Inhalt, der Auflösung und dem Encoder ab. Bei kleinen Auflösungen wie VHS fällt der Vorteil geringer aus als bei 4K.
Warum spielt mein Fernseher H.265-Dateien nicht ab?
Ältere Geräte haben keinen Hardware-Decoder für H.265. Manche unterstützen H.265 nur in bestimmten Profilen, etwa 8 Bit, nicht 10 Bit. Wandeln Sie für solche Geräte in H.264 um.
Ist AV1 schon alltagstauglich?
Für das Abspielen auf aktuellen Smartphones, Computern und Browsern zunehmend ja. Das Kodieren in Software ist allerdings langsam. Ältere Geräte ohne AV1-Decoder kommen bei hohen Auflösungen an ihre Grenzen.
Welchen Codec nehme ich für digitalisierte Familienvideos?
Für die Alltagskopie H.264 in MP4, weil sie überall läuft. Für das Archiv eignet sich zusätzlich eine verlustfreie Fassung, etwa FFV1 in MKV, oder zumindest eine H.264-Datei in sehr hoher Qualität.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Munich Vision. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.